Dienstag, 14. August 2012

Buchkritik: Mesut Özil

Mesut Özil versenkt sich im Fußball


Eine Hommage in einem Bildband über den Fußball-Star von Andreas Spohr, Uli Hesse und Heiko Buschmann


Die EM ist vorüber. Doch einige Fußballer haben ihre Spuren hinterlassen. Mesut
Özil ist erst 23 Jahre alt und schaffte den Sprung von Schalke zu Werder Bremen
und von da zu Real Madrid. Aber vor allem als Mitglied der Nationalmannschaft
ist er nicht mehr wegzudenken. Schon bei der Weltnmeisterschaft 2010 gratulierte
ihm die Bundeskanzlerin Angela Merkel zum 3:0 gegen die Türkei als Qualifikation
für die Europameisterschaft in diesem Jahr.
Özil wuchs im Ruhrpott auf als Sohn türkischer Eltern. Er hat eine eigene nach ihm
benannte Stiftung, mit der er unter anderem Projekte wie das "DB Services
Zukunfts-Camp" unterstützte. Es ging darum, dass Achtklässler gemeinsam
in den Ferien paukten. Özil ist nicht nur ein Fußbsll-Ass, sondern auch ein "Botschafter"
in Sachen Integration. Nazan Eckes überreichte ihm 2010 den "Integrations-Bambi"
für seine Leistungen. Die Karriere des eher schmächtigen Mannes begann früh. Bereits
2006/7 war Mesut Özil Deutscher A-Junioren-Meister. Ende 2008 wechselte
der Fußballer von Schalke zu Werder Bremen. Die Ablösesumme betrug fünf
Millionen Euro. In dem reich bebilderten Band "Mesut Özil - Auf dem Weg zum
Weltstar" sind auch Interviews zu finden mit Kevin Juranyi oder Lukas Podolski.
Beide loben den Kollegen sehr. Doch Mesut Özil musste auch einiges einstecken.
Bei Schalke lief es nicht rund. Nach Werder lautete die Frage: Arsenal, Türkei
oder Real Madrid? Er entschied sich für Real, doch dafür muss man stark sein,
schreiben die Autoren Andreas Spohr, Uli Hesse und Heiko Buschmann. "Wer bei
Real Madrid spielt, muss ein Alphatier sein. So viel scheint sicher", ist zu lesen.
Die Verfasser wundern sich, wie der zerbrechlich wirkende Fußballer dem Druck
standhält. Die Lösung liegt im Flow. Mesut Özil vergisst alles, auf dem Spielfeld,
weil er spielen will. Die spanische Presse umjubelt oder beleidigt ihn. Die
Torbilanz: für die Nationalmannschaft insgesamt acht Tore, in der Bundesliga
waren es 13 Tore in vier Saisons, 39 Torvorlagen schuf er in zwei Jahren
bei Real Madrid. Die Fotos sind sehr ästhetisch und zeigen, dass Fußball
auch elegant sein kann, wenn Mesut Özil auf einem Bein steht wie beim
Pokalsieg für Bremen 2009. Özil von hinten mit Trikot auf dem Kopf, von
der Seite, im Anzug, beim Schuss oder Küsschen werfend - er ist eine Augenweide.
Ein liebevoll gestaltetes Buch für Fans.
(c) Corinna S. Heyn


Andreas Spohr,
Uli Hesse,
Heiko Buschmann,
Mesut Özil.
Auf dem Weg zum Weltstar.
Delius Klasing Verlag 2012
Gebunden mit vielen Fotos
Preis: 19,90 Euro

Sonntag, 17. Juni 2012

Jugendbuch: Petra Ivanov, Control



Eine 16jährige Schülerin allein in den USA


Petra Ivanov schrieb mit "Control" einen atemlosen Thriller um

ein junges Mädchen in New York


"Control" heißt der vierte Band der Autorin Petra
Ivanov um die Freunde Julie, ihren Bruder Leo,
dessen Freundin Nicole und um Chris. Der neueste
Jugendroman ist so spannend, dass er über die
gesamten 232 Seiten fesselt. Nicht nur die Fan-Gemeinde
unter den Schülern, vor denen die Autorin regelmäßig
liest. Nein, auch Erwachsene lehrt die Journalistin
und Mutter von zwei Söhnen das Gruseln. Der Stoff
passt sehr gut in die heutige Zeit, in der Jugendliche
aufwachsen. Eine Welt ohne Internet kennen sie gar nicht.
Mails, Chatrooms, soziale Netzwerke sind für sie
selbstverständlich. Auch für die 16jährige Julie Ramadani, die in
Zürich lebt und dort zur Schule geht. Ihre Eltern
stammen aus dem Kosovo. Albaner sind unbeliebt in
der Schweiz, schreibt Petra Ivanov. Doch Julie hat
eine gute Freundin namens Nicole, die in den USA in
New York tanzen lernt. Julie zieht es in die Modebranche.
Als sie ein Inserat eines "Cal" liest, der eine
Modepraktikantin sucht, ist es um sie geschehen. Julie
bucht einfach über die Kreditkarte ihres ahnungslosen
Vaters einen Flug nach New York, wo Nicole sid am
Flughafen abholt. Doch die beiden geraten in einen
Streit. Cal, ein über 50 Jahre alter Mann, geht mit
Julie essen, fährt mit ihr Taxi und tischt ihr Lügen auf.
Unerfahren wie sie ist, bemerkt sie erst sehr spät alle
dunklen Vorzeichen und Ungereimtheiten. Sie kennt den
Nachnamen nicht, hat keine Adresse des unbekannten
Mannes, weiß nicht einmal, ob sie Geld für ihr Praktikum
bekommt. Es beginnt eine Episode des Grauens für Julie,
als Cal sie mit nach Staten Island nimmt. Aber es gelingt
Julie auch, an der Gefahr zu reifen und sich zu wehren.
Fluchtinstinkte werden in ihr geweckt wie ein wildes
Tier. Petra Ivanov beschreibt sehr dicht alle Gefühle in
dem Karussell um verschmähte Liebe, um Sehnsüchte, um
Verblendung und um Schuld und Sühne. Der Roman ist so
spannend wie ein Thriller. Die Autorin skizziert auch
New York, Staten Island wahrlich bildhaft wie in einem
Film. Ihre Sprache ist an Jugendliche angelehnt, aber
mit Niveau ohne Oberflächlichkeit. Ein Buch, das unter
die Haut geht und gehen soll. Es ist zugleich eine
Warnung, mit dem Internet nicht so sorglos umzugehen.
(c) Corinna S. Heyn


Petra Ivanov,
Control.
232 Seiten. Broschiert.
Appenzeller Verlag 2012.
Preis: 28 Sfr./24,30 Euro
www.appenzellerverlag.ch

Samstag, 5. Mai 2012



Mit Lust und Liebe für die einfache Küche

Wie Gabrielle Hamilton es zu einem florierenden Lokal
in New York brachte

Mit 17 Jahren kellnert die Halbfranzösin Gabrielle
in einer Bar in New York und macht illegale
Geschäfte. Sie verdient dadurch in einem Jahr
über 90.000 Dollar, fliegt nach Aspen zum Skifahren
und bezahlt ihrer geschiedenen Mutter die Strom-
und Telefonrechnungen. Als ihr Arbeitgeber wegen
der gestohlenen Schecks eine Szene macht, braucht
sie Rechtsbeistand. Ihr Bruder Dimitri, der in
Brooklyn lebt, hilft ihr. Da sie minerjährig ist,
wird die Anklage schnell fallengelassen. Die Anwältin
rät Gabrielle dennoch, den Bundesstaat besser zu
verlassen. Gabriele, die als Scheidungskind mit
einer französischen Mutter in Vermont aufwuchs,
versucht mehrere wissenschaftliche Anläufe am New
Hampshire College, bewirbt sich an einer Universität
in Iowa und wird schlussendlich an der University
of Michigan mit einem Stipendiumsscheck von 1000 Dollar
angenommen, Literatur zu studieren. Sie ist überglücklich,
doch ihr Herz schlägt nach wie vor für die Gastronomie.
Sie arbeitet bis zum Umfallen bei einem Catering-Service
bei Misty, macht 23,5-Stunden-Schichten, verbrüht sich
an heißem Dampf und schläft schon mal auf dem Fußboden.
An der Uni fühlt sie sich nie richtig heimisch. Sie,
die Tellerwäscherin kann nicht mithalten mit den
Intellektuellen. Das denkt sie zumindest. Aber Gabrielle
will sich nach dem Desaster in New York rehabilitieren
und macht ihren Abschluss. Wohl wissen, dass sie keine
akademische Laufbahn eingehen wird. "Es ist schon ein
harter Schlag, wenn man sich eingestehen muss, dass man
für das, was einem so viel bedeutet, nicht gemacht ist",
bekennt sie in ihren Erinnerungen. Ferner fehlt der vor
Energie nur so strotzenden jungen Frau die körperliche
Anstrengung in der Küche und die ehrliche Sprache, die
sie von New York her kennt. Da wusste sie sofort, wer
ihr wie gesonnen war. Obwohl in Gabrielle Hamilton die
Liebe zu gutem Essen immer innewohnte, wollte sie kein
eigenes Lokal errichten. Schon gar nicht in New York.
Doch es kam wie es kommen musste. Sie trifft auf Eric,
der ihr ein heruntergekommenes, mit Rattenkot und
vergammeltem Essen versifftes, ehemaliges französisches
Bistro zeigt. Die abenteuerlustige Halbfranzösin packt
der Ehrgeiz und sagt zu. Sie krempelt die Ärmel hoch,
putzt mit Dampfreiniger, stellt Rattenfallen auf. Davor
jedoch bereist sie die halbe Welt auf eigene Faust mit
wenig Geld und viel Hunger. Diese Reisen prägen sie.
Sie will Eigenheiten aus Griechenland und Dehli mit
nach New York in ihr neues Restaurant "Prun" bringen.
Wer nur eine halbe Flasche Wein trinken will, soll sie
bekommen und nur die Hälfte bezahlen. Da sie so oft
Hunger gelitten hat, will sie Speisen anbieten, die
satt machen. Der Name "Prune" bedeutet "Pfläumchen".
So hatte ihre Mutter sie immer genannt. Der Arbeitseifer
der neuen Restaurantbesitzerin ist nicht zu bremsen. Sie
fordert alles von sich und ihren Angestellten. Sechs
Omelettepfannen sind gleichzeitig in Betrieb und somit
in sechs Minuten sechs Omelettes. Es gibt Muffins mit
Butter, Ricotta mit Birnen und Feigen, Räucherfisch,
Spaghetti Carbonara mit Pancetta. Die Hitze in der
kleinen Küche stört sie nicht, im Gegenteil. Gabrielle
mag sie. Aber es stört sie, dass Mitarbeiter schlapp
machen. Wer nicht mithalten kann, wird entlassen.
Und sie selbst wird ausgerechnet kurz vor der Geburt
ihres zweiten Sohnes von ihrem Chef de Partie, einem
Koch im Stich gelassen. Gabrielle jongliert Ehemann
Michele, zwei Söhne und das kleine Restaurant mit einer
aufopfernden, fast unfassbaren Energie einer Turbine
und macht heute einen Umsatz von zwei Millionen Dollar
im Jahr in New York, worauf sie sehr stolz ist.
Nur eines scheint die Selfemade-Woman nicht zu kennen:
die Muße. Sie wirkt, als ob sie am glücklichsten ist,
wenn sie sich verausgabt, den Motor auf Hochtouren
laufen lässt und nicht beim Müßiggang wie dem Betrachten
des Meeres.
(c) Corinna S. Heyn


Gabrielle Hamilton,
Blood, Bones & Butter.
Mein Leben ohne Rezept.
Aus dem Englischen von Heike Schlatterer.
Karl Blessing Verlag 2012. PB.
Preis: 14,95 Euro
www.blessing-verlag.de